Die Idee zu diesem Gedichtband war ausgelöst durch einen heftigen Entwicklungssturm
im Jahre 1999. Ich erarbeitete ein Skript – alles war bereit für die Veröffentlichung.
Doch dann kam alles ganz anders ...
Alles ruhte – bis 2006. Da erst kam ich dazu, das Skript für eine Veröffentlichung
zu überarbeiten.
Dieser Gedichtband beginnt mit einem Stück Aufarbeitung meiner frühen
Geschichte. Die ersten Werke erlauben einen zusammenfassenden Kurzüberblick über
vergangene Zeiten, die für meine heutige Entwicklung von allergrößter Bedeutung sind.
Sie sind die Basis, der Ausgangspunkt, für alle weiteren schriftstellerischen Werke,
die folgen (werden).
Eingefügt habe ich auch dichterische Werke meiner Tochter Leana, die im nahezu
gleichen Alter Gedichte verfasst hat. So unterschiedlich wir auch sein mögen,
ich finde es spannend, wie sich Themen gewollt oder ungewollt über Generationen
weitertragen.
Das zentrale Thema fast aller Gedichte ist die Suche nach dem Sinn unseres Seins
und nach der LIEBE; die Liebe für einen Menschen, zu einem Menschen, zum Leben,
zum Sein. Eine Liebe voller Schmerz und Sehnsucht.
Eine Liebe in Glückseligkeit gebunden. Eine Liebe für meine Kinder und für das
Leben schlechthin, und nicht zu vergessen und allerwichtigste,
die Liebe zu sich selbst.
Eine Liebe, die sich schließlich in den Ozean des ewigen Seins ergießt.
Hungertod
ein halbes Leben gelebt
irgendwo und irgendwie gestrandet
vorbei geschlichen an den häusern
der ewigen warm schimmernden Lichter
als bettlerin
durchs land geschlichen
die sinne immerzu betäubt
nix fühlen nix hören nix sehen
gierig gekrallt
nach allem, was
auch nur einen funken glück versprach
nur einen winzigen zipfel
erheischen
sofort verschlingen
weil glück etwas unerträgliches ist
mit messern sich
mühselig verstümmeln
beständig den dolch im gürtel
die pistole immer entsichert
stets bereit um das
kleine nackte erbärmliche
über-leben zu kämpfen
im dreck gekrochen
nach pisse gerochen
kein dach über'm kopf
nur das dunkle kalte himmelszelt,
dessen sterne ein wenig
hoffnung versprachen
fünf-gänge-menues
aus der mülltonne
und stets paranoid den
vermeintlichen feind im nacken
fleischlich fast schon wohl genährt
auch geistig gut gefüttert
dank der zeitungen,
die des nachts ein bisschen
wärme boten,
aber letztlich doch
früh
den seelischen hungertod
gestorben,
und das alles,
lange bevor die liebe kam!
Aber
Es schneit.
Der Himmel weint,
gefrorene Tränen.
In mir ist alles kalt und leer,
ich möchte weinen,
aber ...
Ich bewege mich wie eine Marionette,
an seidenen Fäden,
gleich reißen sie,
ich weiß es,
aber ...
Ich falle hinab,
wie ein Stein.
Dabei möchte ich
leicht sein wie ein Vogel,
aber ...
Seine Hand!
Sie will mir helfen,
aber ...
Ich will zu ihm,
ein weiter Weg,
aber ...
Ich liebe dich,
aber ...
Die nachfolgenden Gedichte sind Werke meiner Tochter Leana.
Ich fand die Gedichte sehr bemerkenswert, vor allem unter dem Aspekt,
dass sich gewisse Gedanken und Gefühle offenbar über die Generationen tragen.
Sie schrieb diese Gedichte zu einer Zeit, als sie nicht mehr daheim wohnte,
das heißt, auf ganz eigenen Wegen unterwegs war.
Für mich
Für mich geht die Sonne morgens
unter
und niemals auf
Den Berg laufe ich runter
und niemals rauf
Alle Lichter sind erloschen
und ich höre auf zu hoffen
Für mich leuchten die Sterne
nur halb so hell
und ich finde meine Wege
nur halb so schnell
Ich weiß nicht was ich werden will ...
Ich lebe mein Leben alleine
und still.
Vorbei
Ich seh' mein Leben an mir
vorbeiziehen
Ich seh' mein Glück war nur
geliehen
Neue Steine in meinem Weg
egal wie, wo und wann ich
mich weiter beweg
Die Mauern vergrößern sich
lassen alles durch – außer mich
Der Regen fällt mal wieder
mehr
Das Leben fällt mal wieder
schwer
Vorbei mit Wegen – gemacht aus
Glück
Vorbei mit Wegen – ich gehe
zurück
Jetzt ist die Zeit abzuschließen
Jetzt ist die Zeit abzuschließen
um nicht mehr die toten
Blumen zu gießen
Jetzt ist die Zeit die Leere
zu erfassen
Heute bin ich zu tot zum Hassen
such die Tür in der Wand
überseh'n und unerkannt
Du verstehst es einfach nicht,
trotz der Lösung in der Hand
Zeit zu verlieren –
Zeit dahin zu vegetieren
Du siehst den Schmerz in
meinem Gesicht
Warum zum Teufel tötest
du mich?
Alle folgenden Gedichte entstammen meiner Feder und sind zum größten Teil
aus der Zeit um und bis 1999.
Der Aufbau entspricht im Wesentlichen meinem damaligen Skript,
welches ich zu veröffentlichen gedachte.
Es war keine einfache Zeit, und alle Gedichte beschreiben die Chronologie
meiner damaligen Entwicklung.
Das Hauptthema ist die Liebe, denn ich hatte gerade eine Trennung hinter mir
und stellte mir beständig die Frage, was zu lieben eigentlich bedeutet,
wann mensch liebt und wann nicht, und ob sich ein Mensch finden lässt,
der Liebe teilen kann, ohne von mir absurde Dinge zu fordern,
bevor er "bereit" ist, Liebe zu schenken.
Ich suchte eine ganze Weile, und ich habe schließlich gefunden.
Hernach fand ich zu meiner großen Verwunderung keine Worte mehr,
Liebe auszudrücken. Es scheint, Liebe lässt sich nur beschreiben,
solange wir sie noch suchen.
Ist sie gefunden, ist sie im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreiblich.
Dieses Glück währet nun schon so viele Jahre, und ich wünsche allen,
die danach suchen, auch sie mögen es finden!
Sinn und Unsinn des Seins
Wohin ich mich auch wende
was auch immer ich tue
oder auch lasse
wohin auch immer ich gehe
oder ob ich nun bleibe
was auch immer ich denke
oder auch fühle
ich frag mich immerzu:
"Was ist nur der Sinn all dessen?"
Ich frage,
ich frage leise,
ich frage laut,
ich schreie es ins Universum,
rufe es in die Berge,
aber die einzige Antwort,
die ich je bekam,
war mein Echo.
Ich lieb dich
Sei der du bist
oder werd jemand anders
ich lieb Dich!
Ertrag es oder
ertrag's auch nicht
lauf weg oder bleib
ich lieb dich!
Flieg mit mir in den Wolken
gemeinsam
oder
versteck dich hinter Illusionen
einsam
ich lieb dich!
Ich lieb dich
ohne Ende
gnadenlos
in alle Ewigkeit
Ich lieb dich
oder
lieb ich nicht doch nur mich
in dir?
Mann mit der kleinen Hand
Mann mit der kleinen Hand
dies hier ist für dich
denn du bist mein Licht
meine Sonne
mein Mond
mein Lebensatem
nichts geht mehr
ohne dich
ich fließe mit dir
hinein
in die Ewigkeit
ich erlaube dir
mich wegzutragen
in die unendlichen Weiten
unseres Kosmos
unserer Liebe
auf deinen kleinen Händen
bei dir
fühle ich mich
geborgen
wie nie zuvor
ein nie gekanntes Gefühl
des Vertrauens
nie enden wollender Hingabe
Mann mit der kleinen Hand
dies hier ist für dich
denn nun
bin ich dein
und du mein
für immer
und
ewiglich.
Geben und Nehmen
Geben und Nehmen
ich halte sie dir hin
die blütenblätter
zähl sie nur
zählst du eines
sind's fünf
zählst du fünf
sind's zehn
so wie das Glück
viel ist
ist die Liebe
alles.
Zähl sie nur
die blütenblätter
und lass den ewigen Kelch
sich formen
in deinen Händen
umstrahlt
vom milchigen Licht des Mondes
der alles zum Überfließen bringt
so dass deine blütenblätter
und meine blütenblätter
vereint dem Mondlicht
sich entgegenstrecken mögen
um gemeinsam
das milchige Licht
in sich aufzusaugen
bevor ein neuer Tag anbricht
und mit dem Licht der strahlenden Sonne
der zweisame blütenkelch sich
wieder schließt.
Tränen des Ozeans
ich schaue
und der baum bleibt stehen
ich sitze
und der baum bleibt stehen
ich höre
und der baum bleibt stehen
er trägt mein gewicht
wo keines ist
wenn ich mich anlehne
und mich sanft dem leben
entgegenstrecke
und die tränen des ozeans
sie werden von den wellen
ans ufer getragen
umspielen meine füße